Ich bin draußen !

Was mir heute, einen Tag nach meinem Geburtstag, bewusst geworden ist. Ich bin jetzt ganz offiziell nicht mehr arbeitslos, obwohl es ja erwerbslos heißen müsste, da ich ja immer gearbeitet habe. Aber meine Arbeit schafft keinen ökonomischen Mehrwert, weshalb der Gesellschaft eingeredet wurde, ich würde nicht arbeiten. Ich liege aber nicht in einer Hängematte und lasse mir einen Caipirinha nach dem anderen reichen, was in unseren klimatischen Verhältnissen auch max. 6 Monate gehen würde, danach müsste ich die Hängematte mit der Couch und den Caipirinha mit Jagertee tauschen.

Wer würde dies aber machen? Nun, wenn es von 10.000 einer macht, wird er spätestens nach dem ersten Monat die Hängematte verbrennen und schon beim Anblick von Caipirinha das würgen beginnen.

Ich denke fast alle Menschen arbeiten, wenn sie auch erwerbslos sind. Doch ist es vielen nicht bewusst und sie werden krank. Es ist nicht schön, das man isoliert wird, weil man zwar arbeitet, aber dennoch erwerbslos ist und die Gesellschaft einen das spüren lässt.

Ich hatte das Glück, das ich mich schon sehr früh damit beschäftigen konnte, um den Unterschied zwischen Erwerb und Arbeit erkennen zu können.

So sitze ich also an meinem PC und arbeite. Nebenher mach ich die Arbeit, die mir die Natur aufgebürdet hat, doch ein schmackhaftes Essen zu bereiten ist ja eher keine Arbeit, sondern fällt in die Kategorie Genuss, Kunsthandwerk, Lust ! Warum wohl auch in unserem Land immer weniger gekocht wird, da es ja keine Arbeit ist, sondern Lust, somit also störend, denn es hält von der Arbeit ab. Coffee to Go, statt lustvoll im Café zu sitzen.

Nun ich bin aus der Statistik raus, mit 58 und so arbeite ich also jetzt ganz entspannt und ohne einen Mehrwert zu produzieren, aber die Gesellschaft kann mich nicht mehr diskreditieren, denn sie selbst hat mich gestrichen, aus der Statistik derer, die offiziell arbeitslos sind. Ich bin jetzt ein IA, ein inoffizieller Arbeitsloser, also nach deren Logik, denn wie gesagt, ich habe nie aufgehört zu arbeiten, ich hatte nur keinen Erwerb.

Kampf der Plattitüden

Da werden wieder Begriffe durch Deutschland geworfen, deren Inhalte keiner kennt, wahrscheinlich die beiden Protagonisten auch nicht. Was ist Gerechtigkeit – was ist Innovation ?
Erst fordert Herr Schulz für die „hart arbeitenden Menschen“ mehr „Gerechtigkeit“, Frau Merkel kontert mit dem Slogan die Gerechtigkeitsdiskussion ist von gestern, es heißt heute „Gerechtigkeit und Innovation“. Dies ist aber der Wahlkampfslogan von Gerhard Schröder gewesen.

Ist es dann von Schulz geschickt, dies auch noch hervorzuheben, denn was die SPD unter Gerechtigkeit und Innovation versteht, wurde ja durch die Agenda 2010 auf brutalste Art und Weise klargestellt. Natürlich reagiert der Messias der SPD auf Fragen nach der Agenda dünnhäutig.

Der hilflose Verweis auf die Bildungspolitik; nehmen wir das der SPD ab? Der Bildungsaufbruch begann in der Ära Willi Brandt und endete dort auch. Danach wurde zwar noch das Gesamtschulkonzept durchgesetzt, doch eben nur durch die Zusammenlegung der drei Schulsysteme in einem Haus, aber weniger durch neue bildungspolitische Konzepte. Die Industrialisierung der Bildung wurde eingeleitet und dann mit der „Reform“ des Studiums durch den Bologna-Prozess abgeschlossen. Aus selbständigen Studenten wurden Studierende, aus Universitäten Hochschulen.

Der Wahlkampf wird eine Schlacht der Worthülsen, in die die Wählerschaft hineininterpretieren kann was sie will. Der Hype um Martin Schulz gleicht in der Tat der Erlösungsgeschichte des Christentums. Nun mag ich zwar Herrn Kauder nicht, aber ich muss ihm in dieser Analyse leider zustimmen. Der Wahlkampf wird für Herrn Schulz ein langer Palmsonntag.

Wir dürfen also gespannt sein, wie diese leeren Worthülsen gefüllt werden. Das erste Mal als Gerhard Schröder dies machte, wurde das Ende des Sozialstaats eingeläutet. Es besteht kein Rechtsanspruch mehr, wie bei einer Versicherung, sondern es wurde ein Almosensystem eingeführt, das jeden mit der Knute Hunger (Totalkürzung) ans Arbeiten bringen soll. Sollten die Menschen im 21ten Jahrhundert nicht in die Zukunft geführt werden, nun mit einer Sozialgesetzgebung, die sogar noch mit den Grundregeln unser mittelalterlichen Vergangenheit gebrochen hat, wohl eher nicht.

http://www.zeit.de/politik/deutschland/2017-04/nordrhein-westfahlen-wahlkampf-cdu-spd-angela-merkel-martin-schulz-angriffe